Mich irritiert immer wieder die mir häufig gestellte Frage zu meinen Bildern: »Wie machst Du das eigentlich?«. Oft frage ich zurück, ob die betreffende Person dem Bäcker beim Kauf der Sonntagsbrötchen dieselbe Frage stellen würde, worauf die Irritation sehr schnell die Seiten wechselt. Was ist neben der reinen Neugier der Beweggrund für diese Frage oder ihr tieferer Sinn?
»Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege zu wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.« Albert Einstein
In meinem Leben gibt es bestimmte Dinge, die ich nicht wissen will: Ich will einfach nicht wissen, wie der Zaubertrick funktioniert, der mich soeben in kindliches Staunen versetzt hat. Es interessiert mich überhaupt nicht, wie der Zauberer das »gemacht« hat. Wozu sollte ich das wissen wollen? Wozu sollte ich gerade den Zauber zerstören wollen, wegen dem ich mir dieses Zauberkunststück überhaupt angeschaut habe und weshalb ich in ehrfürchtiges Staunen verfallen bin?
Die Frage: »Wie machst Du das eigentlich?« zeugt nicht nur von Neugier, die selbst mit der Antwort nicht befriedigt wird. Das Ahnen um die technischen Einzelheiten eines Kunstwerkes trägt selten bei zu dessen Verständnis; im Gegenteil profanisiert es die Kunst – auch ohne Absicht. Diese Frage bezeugt in erster Linie ein gewisses Desinteresse an der Kunst, da diese auf diese Weise letztlich auf Nebensächlichkeiten reduziert wird. Oder hat das Wissen um die Herstellung der Farben und die Technik ihres Auftrages jemals etwas zum tieferen Verständnis etwa der Mona Lisa beigetragen? Sind die Farben und Schablonen wirklich der Grund für das Wirken der Kunst Banksys?
Lassen wir der Kunst doch ihre kleinen Geheimnisse. Lassen wir uns doch ein wenig verzaubern. Gerade die Fähigkeit zum Staunen ist ein wichtiger Beitrag zur Entstehung von Kunst.
Kunst wirkt ähnlich wie Religion: erst die Kraft zur Imagination macht aus einer Oblate den Leib Christi und aus Farbe ein Spiegel der eigenen Realität.
